Depressive sterben früher

Aktuelle Studien zeigen, dass Menschen, die von einer Depression betroffen sind und keinen Selbstmord begehen, trotzdem 10 Jahre früher sterben als Gesunde (1).

Wieso ist das so?

Menschen, die von einer Depression betroffen sind, haben häufiger Begleiterkrankungen wie erhöhten Blutdruck, Übergewicht, Diabetes, Stoffwechselstörungen, Rückenschmerzen und erhöhte Entzündungsparameter.

Die Depression an sich beeinflusst den Lebensstil. So neigt man dazu, sich weniger zu bewegen und mehr zu sitzen (2).

Außerdem konnte ein erhöhter Zigaretten- und Alkoholkonsum und eine qualitativ schlechtere Ernährung beobachtet werden (3).

Bei Depression und Übergewicht gibt es auch einen deutlichen Zusammenhang (4).

Depression durch einen schlechten Lebensstil?

Hier ist die Frage, ob auch schon ein schlechter Lebensstil mit wenig Bewegung, schlechter Ernährung, Alkohol und Zigaretten oder Übergewicht in eine Depression führt. Das kann man kaum generalisiert beantworten. Vielmehr ist da eine individuelle Betrachtung notwendig, um die Ursachen und Beziehungen zu verstehen.

HPA-Achse

Ein anderer Grund für Begleiterkrankungen und die erhöhte Sterblichkeit ist die Dysregulation der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse). Wenn wir Stress haben, wird die HPA-Achse aktiviert und am Ende wird das Hormon Cortisol ausgeschüttet. Erhöhte Cortisol-Spiegel wirken sich wiederum negativ auf die Gesundheit aus und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht.

Ist das ein Teufelskreis, aus dem ich nicht raus komme, oder kann ich was dagegen tun?

Die effektivste Methode, dem zu entkommen, ist, sich regelmäßig zu bewegen. So einfach und trotzdem so wirksam!

Studien zeigen, dass Sport

  • zu einer mittleren bis großen Verbesserung der depressiven Symptome führt (5)
  • die Wahrscheinlichkeit, nach einer Therapie nicht wieder depressiv zu werden um 22% erhöht (5)
  • Ältere Betroffene profitieren ganz besonders von Sport als Therapiemaßnahme, weil sich die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses und die Gleichgewichtsfähigkeit verbessert (6) und die Selbstständigkeit länger erhalten bleibt

Wenn das so einfach ist, warum wird Bewegung so wenig eingesetzt?

Bewegung wird oft vom Arzt im Patientengespräch nicht als Therapieoption erwähnt

  • Es gibt (noch) keine Dosis-Wirkungsbeziehung, das heißt es gibt noch keine Richtlinien, wer welchen Sport wie oft machen soll
  • Oft wird der Aspekt, dass die Bewegung Spaß machen muss und in den Alltag passen muss nicht beachtet, denn Bewegung hilft nur, wenn man es macht!
  • spezielle Angebote fehlen

Lesen Sie im nächsten Blog-Artikel mehr darüber, wie Sie sich trotz Depression selbst helfen können.

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Quellen:

(1) Cuijpers P, Vogelzangs N, Twisk J, Kleiboer A, Li J, Penninx BW. Comprehensive meta-analysis of excess mortality in depression in the general community versus patients with specific illnesses. Am J Psychiatry(2014) 171:453–62. doi: 10.1176/appi.ajp.2013.1303032511. Laursen TM, Musliner KL, Benros ME, Vestergaard M, Munk-Olsen T. Mortality and life expectancy in persons with severe unipolar depression. JAffect Disord. (2016) 193:203–7. doi: 10.1016/j.jad.2015.12.06712. Walker ER, McGee RE, Druss BG, Reisinger E, McGee RE, Druss BG. Mortality in mental disorders and global disease burden implications. A systematic review and meta- analysis JAMA Psychiatry(2015) 72:334–41.doi: 10.1001/jamapsychiatry.2014.2502.Mortality

(2) Schuch F, Vancampfort D, Firth J, Rosenbaum S, Ward P, Reichert T, et al. Physical activity and sedentary behavior in people with major depressive disorder: a systematic review and meta-analysis. J Affect Disord.(2017) 210:139–50. doi: 10.1016/j.jad.2016.10.05018. Vancampfort D, Firth J, Schuch FB, Rosenbaum S, Mugisha J, Hallgren M, et al. Sedentary behavior and physical activity levels in people with schizophrenia, bipolar disorder and major depressive disorder: a global systematic review and meta-analysis. World Psychiatry(2017) 16:308–15.doi: 10.1002/wps.2045819. Papasavvas T, Bonow RO, Alhashemi M, Micklewright D. Depression symptom severity and cardiorespiratory fitness in healthy and depressed adults: a systematic review and meta-analysis. Sport. Med. (2016)

(3) Chaiton MO, Cohen JE, O’Loughlin J, Rehm J. A systematic review of  longitudinal  studies  on  the  association  between  depression and  smoking  in  adolescents. BMC  Public  Health(2009).  Boden JM, Fergusson DM. Alcohol and depression. Addiction(2011)106:906–14. doi: 10.1111/j.1360-0443.2010.03351.x24. Quirk  SE,  Williams  LJ,  O’Neil  A,  Pasco  JA,  Jacka  FN,  Housden S, et al. The association between diet quality, dietary patterns and depression in adults: a systematic review. BMC Psychiatry(2013)

(4) Luppino FS, de Wit LM, Bouvy PF, Stijnen T, Cuijpers P, Penninx BWJH, et al.Overweight, obesity, and depression.Arch Gen Psychiatry(2010) 67:220–9.doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.226. 

(5) Krogh J, Hjorthøj C, Speyer H, Gluud C, Nordentoft M. Exercise for patients with major depression: a systematic review with meta-analysis  and  trial  sequential  analysis.BMJ  Open(2017)  7:e014820.doi: 10.1136/bmjopen-2016-014820

(6) Neviani F, Murri MB, Mussi C, Triolo F, Toni G, Simoncini E, et al. Physical exercise for late life depression: effects on cognition and disability. IntPsychogeriatrics(2017) 29:1105–12. doi: 10.1017/S1041610217000576135. Toni G, Belvederi Murri M, Piepoli M, Zanetidou S, Cabassi A, Squatrito S,et al. Physical exercise for late-life depression: effects on heartrate variability. Am J Geriatr Psychiatry(2016) 24:989–97. doi: 10.1016/j.jagp.2016.08.005136. 

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